Kapitel 22: Notfallplan und Maßnahmen
Ein brauchbarer Notfallplan nennt mehr als die Nummer 112. Er klärt, wer alarmiert, wer hilft, wer den AED holt und wer den Rettungsdienst einweist. Dazu gehören Adresse, Zugang, Stockwerk, mögliche Zugangscodes und der schnellste Weg zum Betroffenen.
Stelle dir vor, der AED ist zwar vorhanden, aber ein neuer Mitarbeiter kennt den Standort nicht. Oder der Rettungsdienst wartet vor einer verschlossenen Seitentür. Solche Verzögerungen lassen sich durch kurze betriebliche Übungen aufdecken, lange bevor ein tatsächlicher Notfall eintritt.
Aufgaben werden direkt vergeben: „Du mit dem blauen Shirt: Ruf 112, stelle das Telefon auf Lautsprecher und komme zurück.“ Eine angesprochene Person bestätigt den Auftrag. Eine zweite Person kann den AED holen, während die erste Versorgung weiterläuft. Die Verständigung wird damit überprüfbar.
Auch nach Feierabend oder bei geringer Besetzung muss der Ablauf funktionieren. Der Plan berücksichtigt deshalb, welche Möglichkeiten einer einzelnen Aufsichtsperson tatsächlich zur Verfügung stehen. Betriebsbezogene Einzelheiten werden am konkreten Arbeitsplatz gelernt, nicht allein aus einem allgemeinen Lehrbuch.
Lebensrettende Basismaßnahmen beim Erwachsenen
Die folgenden Schritte beziehen sich auf den gewöhnlichen Erwachsenen-BLS-Rahmen der ERC-Leitlinien 2025. Sie werden praktisch geübt. Besonderheiten bei Kindern, Ertrinken oder speziellen Gefährdungen erfordern ergänzende Ausbildung.
Sicherheit und Reaktion prüfen. Gefahren beachten, die Person ansprechen und vorsichtig an den Schultern berühren. Bei fehlender Reaktion Hilfe herbeirufen.
Unverzüglich 112 alarmieren. Wenn möglich übernimmt ein weiterer Helfer den Anruf. Allein mit Mobiltelefon wird die Lautsprecherfunktion genutzt. Die Atmung wird während des Verbindungsaufbaus beurteilt; die Leitstelle unterstützt.
Atmung rasch beurteilen. Atemwege öffnen und nach normaler Atmung sehen, hören und fühlen; die Beurteilung soll nicht länger als etwa zehn Sekunden dauern. Einzelne schnappende, unregelmäßige Atemzüge sind keine normale Atmung.
Bei fehlender Reaktion und fehlender oder nicht normaler Atmung sofort mit Wiederbelebung beginnen. Eine ungeübte Pulssuche darf den Beginn nicht verzögern. Die Leitstellenanweisungen werden befolgt.
Bei eindeutig normaler Atmung erhält die bewusstlose Person eine geeignete Seitenlage und wird fortlaufend beobachtet. Die Atmung wird wiederholt kontrolliert. Wird sie nicht mehr normal, ist sofort zur Wiederbelebung überzugehen. Eine einmal hergestellte Seitenlage beendet die Betreuung nicht.
Gerade nach einem Zusammenbruch beim Sport kann auffälliges Hecheln zunächst wie eine normale Belastungsreaktion aussehen. Bei fehlender Reaktion muss die Atmung deshalb besonders kritisch beurteilt werden; bei Unsicherheit unterstützt die Leitstelle.