Kapitel 15: Metaanalysen, Interessenskonflikte und Quellen
Eine Metaanalyse kann die Ergebnisse mehrerer geeigneter Studien gemeinsam auswerten und dadurch ein umfassenderes Bild ermöglichen. Dabei müssen unter anderem Unterschiede zwischen Teilnehmern, Maßnahmen, Vergleichen und Messverfahren berücksichtigt werden. Ein gemeinsamer Mittelwert kann relevante Unterschiede verdecken, wenn er ohne Kontext gelesen wird.
Viele eingeschlossene Studien bedeuten nicht automatisch viele unabhängige oder hochwertige Informationen. Kleine verzerrte Studien werden durch Zusammenfassung nicht nachträglich unverzerrt. Ebenso kann eine präzise geschätzte durchschnittliche Wirkung wenig darüber sagen, wie gut sie auf einen speziellen Kunden übertragbar ist.
Die Vertrauenswürdigkeit eines gesamten Befundbilds hängt unter anderem von Verzerrungsrisiken, Übereinstimmung, Präzision, direkter Passung zur Frage und möglichen unveröffentlichten Ergebnissen ab. Ein strukturierter Ansatz zur Bewertung dieser Sicherheit ist GRADE. Das Resultat ist keine Garantie für einen Einzelfall, sondern eine begründete Einordnung des Wissensstands.
Quellenketten
Ein finanzieller Interessenkonflikt macht ein Ergebnis nicht automatisch falsch. Er ist ein Grund, besonders sorgfältig nach Design, Auswertung und unabhängiger Bestätigung zu fragen. Umgekehrt wird eine Aussage durch einen unabhängigen Absender nicht automatisch richtig.
Prüfe außerdem die Quellenkette. Ein Beitrag kann eine Studie nennen, die selbst nur eine andere Arbeit zitiert. Hinter einer starken Behauptung steht dann möglicherweise keine direkt passende Untersuchung. Ein Link auf PubMed zeigt zunächst einen bibliografischen Eintrag. Ob die Studie die konkrete Behauptung stützt, muss gesondert geprüft werden.
Dasselbe gilt für automatisch erzeugte Literaturangaben. Ein Titel kann echt sein und dennoch zur falschen Fragestellung gehören. Eine Zusammenfassung kann Ergebnisse überzeichnen. Für zentrale Aussagen werden deshalb Titel, Autoren, Veröffentlichungsort und tatsächlicher Inhalt überprüft. Bei medizinisch oder praktisch entscheidenden Empfehlungen genügt ein ungeprüfter Zusammenfassungssatz nicht.